Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS)

Homepage: http://www.leibniz-zas.de
Forschungsschwerpunkte im Verbund:
Wissen und Teilhabe, Bildung und Ungleichheit, Bildungsmonitoring und Information
Fachdisziplinen:
Linguistik, Spracherwerb
Ansprechpartner im Institut:
PD Dr. Natalia Gagarina; Prof. Dr. Manfred Krifka (gagarina[at]leibniz-zas.de; krifka[at]leibniz-zas.de)

Profil:

Das Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS) ist ein außeruniversitäres Forschungsinstitut des Landes Berlin. Träger des Zentrums ist der Verein Geisteswissenschaftliche Zentren Berlin. Seit Januar 2017 wird das ZAS als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam von Bund und Ländern gefördert.

Aufgabe des ZAS ist die Erforschung der menschlichen Sprachfähigkeit im Allgemeinen und deren Ausprägung in Einzelsprachen. Ziel ist, diese zentrale Fähigkeit des Menschen und ihre biologischen, kognitiven und sozialen Faktoren besser zu verstehen und dadurch Grundlagen für unser Verständnis der grundlegenden Strukturen, des Erwerbs und der Verarbeitung von Sprache und deren Störungen sowie für sprachtechnologische Anwendungen zu legen.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Programm 2014–2019 steht unter dem Thema: Einbettung, Verknüpfung und Konstituentengrenzen in Sprechsprache, Grammatik und Diskurs. Untersucht werden die wesentlichen, elementaren Operationen, die zu komplexen sprachlichen Ausdrucken führen, wobei besondere Aufmerksamkeit den dabei entstehenden Grenzen gilt. Die fünf Arbeitsbereiche am ZAS betrachten Konstituentengrenzen in der Sprechsprache, den Erwerb von diskurskohäsiven Mitteln bei Kindern, satzeinbettende Prädikate, die Verknüpfung von Sätzen sowie Schnittstellen zwischen Satzsemantik und Diskursstrategien. Die Daten werden u. a. durch Feldforschung und durch phonetische und psycholinguistische Experimente gewonnen.

Darüber gibt es weitere Forschungsprojekte, u. a. zum bilingualen Spracherwerb. Das ZAS übernimmt ferner Aufgaben in der universitären Lehre und in der Koordination nationaler und internationaler sprachwissenschaftlicher Forschungsprojekte.

Wichtige Arbeiten und Angebote:

Das ZAS kann auf eine über die letzten 20 Jahre gesammelte Expertise zum mono- und bilingualen Spracherwerb verweisen. Wichtige Arbeitsgebiete des Forschungsbereichs Sprachentwicklung und Mehrsprachigkeit (FB II) sind die Entwicklung von Diskursfähigkeit im Vor- und Grundschulalter, die Identifikation und nähere Beschreibung von Sprachentwicklungsstörungen und die Chancen und Probleme beim mehrsprachigen Spracherwerb. Dazu hat das ZAS Studien zum Erwerb des Deutschen bei Kindern mit den in Deutschland häufigen Migrationssprachen (Russisch, Polnisch, Bulgarisch, Türkisch) durchgeführt, einige davon als Longitudinalstudien über einige Jahre hinweg.

Das ZAS entwickelt Sprachstandserhebungen und Instrumente für die Diagnose und Therapie von Sprachentwicklungsstörungen und Methoden zur Unterstützung des Deutscherwerbs, welche die muttersprachlichen Kenntnisse berücksichtigen. Mit dem am ZAS entwickelten Multilingual Assessment Instrument for Narratives (MAIN) liegt ein Instrument zur Testung narrativer Fähigkeiten von Kindern in gegenwärtig 27 Sprachen vor. Der Sprachstandstest Russisch für mehrsprachige Kinder ist ein linguistisch und psycholinguistisch fundiertes Sprachstandsscreening für bilingual russisch-deutsche Kinder im Vorschul- und Frühschulalter.

Das ZAS entwickelt Sprachförderprogramme und arbeitet an Methoden, sprachliches Wissen spielerisch zu vermitteln. Im europäischen COMENIUS-Projekt Friendly Resources for Playful Speech Therapy (FREPY) wurden interaktive und multifunktionale Materialien zur Sprachförderung in den Sprachen Deutsch, Estnisch, Litauisch und Slowenisch erarbeitet. Diese Spiele, Puzzle, Bildergeschichten etc. sind als Druckversion und im Internet verfügbar.

Der am ZAS angelagerte Berliner Interdisziplinäre Verbund für Mehrsprachigkeit (BIVEM) bietet forschungsbasierte Beratung zum mehrsprachigen Spracherwerb für Eltern, pädagogische Fachkräfte, Ärzte und politische Entscheidungsträger an. Die Flyer-Reihe ‚Wissenschaft fürs Leben‘ zu Themen der Mehrsprachigkeit leistet einen Beitrag zum Wissenstransfer von der Forschung in die Praxis.

Das unter Federführung des ZAS entstandene Buch Das mehrsprachige Klassenzimmer ist für Lehrer an deutschen Schulen konzipiert, die Schüler mit Migrationshintergrund in ihren Klassen haben. Es vermittelt auf anregende und verständliche Weise Hintergrundwissen für den kreativen Umgang mit Mehrsprachigkeit im Klassenzimmer.

Am ZAS werden ferner Orthographien und Lehrmaterialien für kleine, bedrohte Sprachen entwickelt, beispielsweise ein Wörterbuch der melanesischen Sprache Daakie.

Das ZAS will weiter linguistische Faktoren für den Erwerb der Bildungssprache untersuchen und dabei spezielle Herausforderungen wie andere Muttersprachen und spezifische Sprachentwicklungsstörungen berücksichtigen. In Zukunft sollen am ZAS auch linguistische Faktoren für Verständlichkeit für spezifische Adressatenkreise untersucht werden.

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